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Schätze aus der Chronikgruppe: „Hinter vielen Fotos steht eine Geschichte“ – Teil 3

Atelier Schröder in Lübbecke – die Fortsetzung

Das Jahr 1897 war ein bedeutendes für Wilhelm Schröder. Im Januar gab er bekannt, dass er ein Atelier für „Photographie und Malerei“ eröffnet hat. Vielmehr hat er es von seinem Vater Carl übernommen und die Malerei ergänzt. Außerdem gaben seine zukünftigen Schwiegereltern der Kreisausschuss-Sekretär Heinrich Heuer und Frau im März die Verlobung Wilhelms mit ihrer Tochter Louise bekannt. Er war zu dieser Zeit 25 Jahre alt. Zeit um sich eine eigene Existenz aufzubauen und eine Familie zu gründen.

Geboren ist Wilhelm im April 1871 in Lübbecke Nr. 61. Dieses Haus befand sich an der heutigen Bäckerstraße/Ecke Langestraße. Dort muss die Familie in dieser Zeit gewohnt haben, denn auch seine beiden Geschwister kamen hier zur Welt. Kurze Zeit später zogen sie in die Langestraße 43. Dort war seine Familie fast 38 Jahre ansässig. Wilhelm wird auch in Lübbecke zur Schule gegangen sein. Am 29. März 1885 wurde er in der St. Andreas Kirche konfirmiert. Über seine Ausbildung ist bis lang nichts bekannt. Es kann angenommen werden, dass er entweder bei seinem Vater erste Einblicke in den Arbeitsablauf des Fotografen erhielt und auch die Abläufe und chemischen Prozesse kennenlernte. Oder bei einem anderen Fotografen außerhalb von Lübbecke. Sicherlich verfügte sein Vater Carl über ein weites Netzwerk, dass viele Möglichkeiten bot. Vielleicht hat er auch eine Kunstschule besucht. Sicherlich haben seine Eltern sein außergewöhnliches künstlerisches Talent erkannt und gefördert. Auf dem Umsatzkarton seiner ersten Fotos war auf der Rückseite folgendes zu finden: „Wilh. Schröder Photograph & Kunstmaler Lübbecke i. W.

Wilhelm Schröder als junger Mann.
Die Werbung auf der Rückseite der Fotografien.

Im April 1898, ein Jahr nach der Verlobung wurde geheiratet. Das junge Paar wohnte zunächst in der Steinstraße. Hier kam das erste Kind, Tochter Grete, zur Welt. Gearbeitet hat Wilhelm aber weiterhin im Haus seines Vaters in der Langenstraße 43. Neben dem Atelier wurde auch ein Postkarten-Verlag betrieben. Hier finden wir auf einigen Postkarten den Aufdruck: „W. Schröder Kunstanstalt“. Auch sein Vater hatte schon Postkarten veröffentlicht. In Lübbecke waren sie nicht die einzigen die Postkarten gestalteten und vertrieben. So gab es viele Karten von der Witwe Heinrich Winter und natürlich von der Druckerei Werneburg. Die Winters waren in dritter Generation als Buchbinder in Lübbecke tätig, hinterließen aber keine Nachkommen und verkauften ihr Geschäft an der Langenstraße im Jahr 1918 an Werneburg. Ab 1912 kam Wilhelm Hehemeyer an der Köttelbeke hinzu.

Am 29. Oktober 1902 verlegte Wilhelm sein Atelier in sein neu gebautes Haus an der Blasheimer Chaussee nahe dem Westertor, dass später in Osnabrücker Straße 5 umbenannt wurde. Dieser Umzug symbolisiert nicht nur den Erfolg seines Geschäfts, sondern auch seine Ambitionen, seine künstlerische Arbeit weiter auszubauen. Es bietet ihm und seiner wachsenden Familie, Erika (*1903), Carl-Heinrich (*1906) und Luise (*1913) kamen noch hinzu, nicht nur ein neues Zuhause, sondern auch einen modernen Raum. Im hinteren Bereich des Hauses befand sich das Atelier, welches lt. Versicherungsunterlagen mit einer Glaswand umfasst war, ansonsten aber massiv. Nur wenige Tageslichtateliers aus dieser Zeit blieben erhalten. Zwei sind in Deutschland bekannt. Eines davon kann im Freilichtmuseum Detmold besichtigt werden.

Wenn man die Fotos aus dem Atelier Schröder betrachtet fällt die große Vielfallt an Requisiten auf: verschiedene kleine Tische, Stühle, Vasen, Baumstämme, Bänke. Und auch verschieden Kulissenmalereien, die Schröder sicherlich selber geschaffen hat, zieren den Hintergrund der Bilder.

Wilhelm Schröder hat seine Kinder Grete, Carl-Heinrich und Erika (von links) um 1910 in Szene gesetzt.

Viele Porträtaufnahmen im Carbinet- und Visitformat auf verschiedenen Untersatzkartons belegen, dass Schröder ein beliebter Fotograf in Lübbecke und Umgebung war. Die Motivwahl entsprach der gesamten Palette die seit Mitte des 19. Jahrhundert üblich waren: Personen werden in ganzer oder halber Figur aufgenommen, sitzen oder stehend oder als Brustbild.

Vermutlich 1906 hat Schröder eine Filiale in der Kreisstadt Diepholz eröffnet. Davon zeugen auch die Prägungen auf dem Umkarton: „Atelier Schröder Lübbecke & Diepholz“. Oskar Petersen (1883-1966) hat diese Filiale dann übernommen. Er ist im Dezember 1906 von Lübbecke nach Diepholz gezogen. Es ist anzunehmen, dass Petersen ein Angestellter oder Lehrling von Wilhelm Schröder war, der die Diepholzer Filiale zunächst geleitet und später übernommen hat. Bereits 1909 ist auf einem Umkarton „Oskar Petersen – Vormals W. Schröder – Diepholz“ zu lesen. Daher ist davon auszugehen, dass er nur ein paar Jahre die Filiale in Diepholz betrieb. Bei Aufnahmen aus dem Beginn der 1920er Jahren ist zwar auch noch teilweise der Hinweis auf Diepholz zu finden. Vermutlich benutzte er weiterhin schon produzierte Umsatzkartons.

Nach 27 Jahren verkaufte Schröder 1929 sein Haus an der Osnabrücker Straße 5 und zog zwei Häuser weiter an die Osnabrücker Straße 9. Dort blieb er bis zu seinem Tode im Januar 1954 tätig, wie gestempelte Fotos aus dem Anfang der 1950er Jahre belegen.

Wilhelm Schröder in den 1950er Jahren.

Über sechs Jahrzehnte waren die Schröder in Lübbecke tätig. Viele Menschen aus Oberbauerschaft haben sich hier ablichten lassen. Manche sogar über mehrere Generationen. Davon werden wir im vierten Teil der Serien informieren.

Eure Chronikgruppe

Christine Honermeyer und Dirk Oermann

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