Schätze aus der Chronikgruppe: „Hinter vielen Fotos steht eine Geschichte“ – Teil 2
Die Fotografie erlebte zur Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert einen bedeutenden Aufschwung und hatte einen besonderen Stellenwert in der Gesellschaft. Um Fotos zu erhalten, musste man sich damals in einem Atelier ablichten lassen. In den nächsten beiden Teilen unserer Serie beleuchten wir das Atelier Schröder in Lübbecke. Da sich in Oberbauerschaft kein photographisches Atelier befand, haben sich viele bei Schröder in Lübbecke ablichten lassen. Daher geben wir Einblicke in das berufliches Wirken eines Fotografen zu jener Zeit.
Atelier Schröder in Lübbecke – der Start
Am 26. April 1890 gab Carl Schröder mit einer Anzeige im Lübbecker Kreisblatt bekannt, dass er „am hiesigen Platze ein Photographisches Atelier errichtet habe“. Weiter heißt es: „Es werden Bilder in jeder gewünschten Größe in meinem Atelier hergestellt, auch nach kleinen alten Bildern Vergrößerungen angefertigt.“ Dieses war der Start einer Lübbecker Erfolgsgeschichte die über 60 Jahre andauern sollte. Den Carl und sein Sohn Wilhelm waren in dieser Zeit als Fotografen hier tätig.
Carl Schröder wurde 1840 als Sohn des Steuer-Kontrolleurs Ernst Schröder und seiner Frau Luise Gerhardi de la Motte geboren. Ab Mitte der 1840er Jahre waren sie in Lübbecke ansässig. Über seine Ausbildung zum Buchbinder ist wenig bekannt, doch es ist klar, dass er diese Lehre erfolgreich absolvierte und es in seinem Handwerk zum Meister brachte.

Am 1. August 1866 gab er bekannt, dass er sich in der Scharrnstraße als Buchbinder selbstständig gemacht hat und alle Arbeiten die in der Buchbinderei vorkommen sorgfältig und pünktlich ausführen wird. Mit den Jahren erweiterte Schröder sein Angebot stetig. Zu Weihnachten schaltete er regelmäßig Werbung und pries sein Sortiment an. Zu diesem zählten gediegene Jugendschriften, Prachtausgaben in Wort und Bild, Schreib- und Kopiertinte, neuartige Gratulationskarten und Andachts- und Gesangbücher sowie Messer aus Solingen. Im Jahr 1874 suchte Schröder einen Lehrling für sein Buchbinderei- und Einrahmungsgeschäft. In der Weihnachtszeit dieses Jahres gab er erstmals die Adresse Langestraße 43 an, was darauf hindeutet, dass er kürzlich umgezogen ist und sein Geschäft erweitert hat. Hier blieb er bis 1912.
Mit der Eröffnung des Ateliers leitete er die Ära der Fotografen Schröder in Lübbecke ein. Es sind einige Aufnahmen von ihm erhalten. Der Umkarton ziert unten in schwungvollen Lettern C. Schröder Lübbecke.

Die Rückseiten der Fotografien weisen eine kunstvoll gestaltete Werbung auf. Dieses war zu dieser Zeit üblich. An Konkurrenz im fotografischen Bereich hatte er wenig zu befürchten. Der erste Fotograf in Lübbecke, Wilhelm Kasting, tätig ab 1864, hatte 1880 sein Atelier an Carl Hein verkauft. Dieser betrieb es in den 1880er Jahren erfolgreich am Bergertor. 1892 wurde er allerdings von Robert Kleemann, der in Minden ein Geschäft betrieb, als Filiale übernommen. Dieser ging 1894 in Konkurs. Ab da waren die Schröders lange die einzigen Porträtfotografen in Lübbecke.
Denn am 6. Januar 1897 übernahm sein Sohn Wilhelm das Atelier, während Carl mit der Buchhandlung und dem 1893 eröffneten Spielwarengeschäft weitermachte. Schließlich zogen Carl und seine Frau Louise 1912 zu ihrer Tochter Emilie, die 1898 den Lübbecker Kaufmann Wilhelm Meyer geheiratet hatte, nach Bielefeld. Hier starb Carl 1920 im Alter von 79 Jahren.
Wilhelm Schröder setzte die fotografische Arbeit seines Vaters fort. Wie, werden wir im nächsten Teil der Serie berichten.
Eure Chronikgruppe
Christine Honermeyer und Dirk Oermann