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Schätze aus der Chronikgruppe: „1920 – wie der Fußball nach Oberbauerschaft kam“

Nach dem Ersten Weltkrieg gründeten sich in der Region die ersten Fußballvereine, so auch bereits 1920 in Oberbauerschaft. Rückkehrer aus englischer Kriegsgefangenschaft brachten ihre Erfahrungen im Fußballspielen aus England, dem sog. Mutterland des Fußballs, mit in ihre Heimat. Viele Vereine in der Region haben 1920-er Jahreszahlen als Bestandteil ihres Vereinsnamens, so z.B. SuS Holzhausen 1920, BV Stift Quernheim 1921 usw.

Leider existieren keine Protokollbücher oder ältere Unterlagen mehr, so dass sich die Historie größtenteils aufgrund von niedergeschriebenen Zeitzeugenberichten sowie Zeitungsartikeln im Zusammenhang mit Veranstaltungen und Jubiläen nachvollziehen lässt; insofern werden Lücken in der Geschichte „100 Jahre Fußball in Oberbauerschaft“ bleiben.

Es waren Heinrich Borchard und Heinrich Althoff, die nach ihrer Rückkehr in die Heimat die Jugendlichen aus Niedringhausen und Umgebung für den Fußball begeisterten, und so kam es 1920 in der Gaststätte Sölter (Horst‘s Höhe) mit 31 Fußballfreunden zur Gründung des ersten Fußballvereins in Oberbauerschaft; dieser trug mit dem Namen „FC Eggetal Niedringhausen“. Bei den Eltern bzw. Einwohnern kam das Interesse der Jugendlichen nicht gut an, man vermutete, dass die „Jungs“ auf die schiefe Bahn geraten könnten. So traf man sich oft auch heimlich und auch die Platzsuche für Training und Spiel gestaltete sich schwierig und man stieß nicht immer auf Zustimmung.

Erster Vorsitzender wurde der Schneidermeister Fritz Oevermann, Heinrich Niemeyer war Schiedsrichter. Trainiert wurde die Mannschaft von Heinrich Borchard; die ersten Trainingseinheiten fanden in der Wiese von Niedermeier (heute Buchenweg; oberhalb des ehemaligen Berghotels) statt. Dort standen auch die aus Latten zusammengenagelten Tore. Das erste Spiel fand in Gehlenbeck statt. Es war wohl seinerzeit so üblich, dass die Gastmannschaft den Spielball mitzubringen hatte. Dieser wurde eigens für dieses Spiel von Hugo Becker (Lübbecke) aus Bielefeld geholt. Trainiert wurde anfangs mit zusammengewickelten Lumpen, diese „runden Dinger“ wurden mit „Holschen“ gespielt. Für die Spiele wurden Lederriemen unter ausrangierte  Alltagsschuhe genäht. Die ersten Spieler des Vereins waren Heinrich Althoff (Torwart) sowie Wilhelm Steinkamp, Fritz Eimertenbrink, Heinrich Becker, Fritz Niedringhaus, Willi Bökenkröger, Rudolf Keller, Heinrich Borchard, Fritz Klostermann, Ernst Füller und Karl Becker.

1921 fand das erste „Heimspiel“ in Ostermeiers Wiese statt, weitere Spiele fanden dann in der Wiese von Stallmann hinter Wölker, östlich des heutigen Niedringhausener Friedhofes, statt. Das erste Sportfest mit Musik und Tanz fand am 24.04.1921 im Zelt bei Sölter auf Horst’s Höhe statt. In diesem Jahr gründete sich auch in Beendorf ein Fußballverein, dieser spielte in einer Wiese von Meyer zu Kniendorf und hatte den Namen „Blaue Veilchen“; Vorsitzender war Hans Schulz. Auch ein Fußballverband „Ravensberg“ wurde in diesem Jahr gegründet, dem beide Vereine beitraten. Im Winter 1920/21 führten die Fußballer aus Niedringhausen, insbesondere um die Vereinskasse aufzubessern, im Saal bei Sölters auf Horst’s Höhe Theaterspiele auf.

Schon 1923 kam der Fußballsport durch die Inflation zum Erliegen, insbesondere konnte die Pacht für die Sportplätze nicht mehr aufgebracht werden. Der Fußball ruhte, bis man 1926/27 so langsam wieder mit Freizeitbeschäftigungen begann und ab diesem Zeitpunkt im abgeholzten Busch, dem späteren Sportplatz am „Katzenbusch“, wieder trainierte und spielte. Das Vereinsleben von 1920/21 ruhte jedoch weiterhin.

1930 kam es dann zur Gründung des Fußballvereins „SV Eggetal Oberbauerschaft“; Fußballfreunde aus der Gemeinde Oberbauerschaft kamen hierzu in der Gastwirtschaft Stallmann/Eversmeyer zusammen. Vorsitzender wurde Friedrich Eimertenbrink, als Fußballplatz konnte ab 1931 die Wiese von Feesmeyer am „Katzenbusch“, wo schon in den 1920-er Jahren Fußball gespielt wurde,  angepachtet werden. Als Vereinsfarben wurden „Blau“ und „Weiß“ gewählt. Die Fußballspiele fanden mit reger Zuschauerbeteiligung statt, auch die 1927 gegründete Dorfkapelle spielte am Rande zur Unterhaltung. Leider währte auch diese Euphorie nur 9 Jahre, bis der Fußball in den Wirren des 2. Weltkrieges erneut zum Erliegen kam.

Die erste Mitgliederversammlung nach dem Zweiten Weltkrieg fand am 15.08.1945 statt und es begann so langsam wieder der Trainings- und Spielbetrieb, ab sofort wurden wieder regelmäßige Sportfeste gefeiert. Der Sportplatz am Katzenbusch prägte eine ganze Generation von begeisterten Fußballspielern und Fans; die in blau-weiß spielenden Jugend- und Seniorenmannschaften machten sich überregional einen guten Namen. Seit den 1970-er Jahren, mit dem Ausbau des Schulgeländes der neuen Volksschule bzw. heutigen Grundschule und dem Aufbau weiterer und vielfältiger Sportarten, findet der Trainings- und Spielbetrieb im Zentrum von Beendorf statt. Der Sportplatz am Katzenbusch wird inzwischen als Bogensportgelände genutzt, auf dem auch nationale Wettkämpfe stattfinden.

Der Werdegang des Sportvereins, seine sportlichen Angebote und Anekdoten sowie das sportliche Leben in Oberbauerschaft insgesamt würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Dennoch bleibt den Interessierten genügend Raum, sich auch hierüber rege auszutauschen.

Seit 1992 ist auch der „SV Eggetal Oberbauerschaft“ aus dem Jahre 1930 Geschichte. In dieser Zeit spaltete sich die sportliche Einwohnerschaft, ein Teil trat zum „SV Hüllhorst-Oberbauerschaft 1920/24“ über, der andere Teil gründete 1993 „SV Blau-Weiß Oberbauerschaft 1920/93“.

So leben die historischen Anfänge von 1920 und die Vereinsfarben „Blau“ und „Weiß“ auch in der Zukunft weiter.

Eure Chronikgruppe: Christine Honermeyer und Dirk Oermann

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