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Schätze aus der Chronikgruppe: „Auswanderung in den 1920er Jahren“

Im 19. Jahrhundert sahen viele Menschen in der Auswanderung einen letzten Weg, neue Arbeitsmöglichkeiten zu finden und so auch ihre Familien zu ernähren. Sicherlich für viele Auswanderer ein gewagter Schritt, insbesondere die Heimat, Familie und Freunde zu verlassen. Dennoch blieben die Kontakte über Briefwechsel viele Jahre lang bestehen.

Auch viele Menschen aus den Ortsteilen der Gemeinde Hüllhorst hat es nach Nordamerika verschlagen. Gerade in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es große Auswandererwellen. Dieses bemerken wir heute immer wieder, wenn die Amerikaner auf den Spuren der Vorfahren wandeln. Sie besuchen uns hier gerne um mehr über die Region, wo die Vorfahren geboren sind, zu erfahren. Auch aus Oberbauerschaft hat es viele in die „neue Welt“ gezogen. Nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) gab es auch noch Auswanderungen. So sind in der Auswandererliste der Gemeinde Hüllhorst 41 Auswanderungen in der Zeit von 1923 bis 1929 verzeichnet. Zwölf davon waren aus Oberbauerschaft.

Bereits 1923 sind die Brüder Hermann und Friedrich Meyer aus Oberbauerschaft Nr. 90 (heute Allendorfer Weg 40) ausgewandert. Diese sind aber etwas später wieder zurückgekommen. Ihr Neffe Heinrich, in Amerika Henry, Tiemann aus Oberbauerschaft Nr. 47 (heute Allendorfer Weg 49) dagegen wurde in Amerika sesshaft. Er fuhr als 17-jähriger von Bremerhaven aus mit dem Schiff Georg Washington nach New York. Dort kam er am 24. August 1923 an. Er ließ sich in Beatrice im Staate Nebraska nieder. Dort fand er Arbeit in der Landwirtschaft und bewirtschaftete bald eine eigene Farm. Nach Besuchen im Elternhaus im Jahre 1927 und in der Mitter der 1930er Jahre, gab es Überlegungen zu einer Rückkehr nach Deutschland. Aber der Zweite Weltkrieg durchkreuzte diese Pläne. 1941 gründete er eine Familie aus der vier Kinder hervorgingen. Neben zwei landwirtschaftlichen Betrieben erarbeitete er sich auch ein eigenes Baugeschäft. Und so kehrte er erst nach 29 Jahren zum nächsten Besuch nach Oberbauerschaft zurück. Gemeinsam mit seiner Frau Alice und dem jüngsten Sohn besuchte er seine Geschwister im Sommer 1964. Diese holten ihn mit acht geschmückten Wagen am Flughafen Hannover ab. Auch berichtete die Zeitung folgendes:

„Erstaunt war er über die Entwicklung seines Heimatdorfes, dessen Bild sich durch die vielen neuen Siedlungshäuser und das neue Wegenetzt so sehr verändert habe, dass er sich kaum noch orientieren könne. Aber sein Elternhaus habe er gleich wieder erkannt, und er sei glücklich darin noch einmal weilen zu können.

Es folgten noch einige Besuche. 2002 starb er im Alter von 96 Jahren. Sein jüngster Sohn Robert war zuletzt 2019 hier.

Am 13. Oktober 1924 gingen die Freunde Karl Breitenfeld und Willi Schäpsmeier aufs Amt nach Hüllhorst. Beide gerade um die 20 wollten sich gemeinsam nach Amerika aufmachen. Darum meldeten sie sich ordnungsgemäß ab. Bereits am 1. November kamen sie in New York an. Von dort ging es weiter in den Bundesstaat Missouri in die Stadt St. Louis. Von dort berichtete Willi am 7. Januar 1925 in einem Brief an seinen Freund Wilhelm Steinkamp, Oberbauerschaft bei Nr. 3 (heute Wurzelbrink 24) folgendes:

Wehrter Freund Willi!

Endlich komme ich soweit Deinen Brief zu beantworten. Ich habe denselben schon am 2. Januar erhalten und habe Deinen Onkel am anderen Tag besucht, er freute sich sehr, dass du geschrieben hattest. Er sagte er hätte dir schon geschrieben, aber er ist alt und gut schreiben kann er nicht mehr und seine Kinder können auch kein Deutsch. Aber er will dir auch jetzt schreiben. Gestern war er noch bei uns denn er ist auch mit Krögers verwandt. Er ist noch ein richtiger Plattdeutscher. Wir gehen da oft hin und gerne denn er hat immer guten Wein, Whisky und Bier. Übrigens seine Adresse ist immer noch die alte. Er fährt sein eigenes Auto ebenso. Die Jungs haben auch jeder eins. Auto hat hier fast jeder. Also das wäre, dass wichtigste was ich dir zu nennen hätte. Wir sind noch alle wohl, hoffen dasselbe auch von dir! Sei nun heute freundlichst gegrüßt von Deinem Freund Willi Schäpsmeier

Gruß von Karl Breitenfeld

Vorderseite des Briefes

Bei dem Onkel von Willi Steinkamp (1897-1979) handelt es sich um Wilhelm Steinkamp (1862-1929) der bereits 1881 nach Amerika ausgewandert ist. Von ihm sind vier Briefe aus den 1920er Jahren erhalten. Er hat sein Versprechen, an seinen Neffen zu schreiben, eingehalten. Der Brief wurde am 8. März 1925 versendet. Er berichtet darin, dass er leider Rheuma hat und deswegen nicht mehr gut schreiben kann. Aber er berichtet auch davon, dass es ihnen sonst gut geht.

  • Auch drei Brüder aus der Familie Schrewe zog es nach Amerika. Friedrich Schrewe (1864-1941) und Katharine geb. Greimann (1870-1942) hatten sechs Kinder. Im Jahre 1905 haben sie ein Haus in Oberbauerschaft gebaut. Da zwei Kinder schon in jungen Jahren starben, blieb nur die jüngste Tochter Minna hier. Alle drei Söhne wanderten aus. Den Anfang machte im März 1924 der mittlere Sohn Karl „Carl“ (1899-1954). Er war Bäcker und ging nach Florida. Acht Monate später folgte ihm sein jüngerer Bruder Friedrich „Fred“ (1903-1986). Dieser ging nach Sheboygan, Wisconsin. Dort schulte er auf Bäcker um und baute eine große Bäckerei auf. Im Mai 1927 kam auch der älteste Bruder Heinrich „Henry“ nach Amerika. Er meldete sich am 16. Mai in Hüllhorst ab. Am 20. Mai bestieg er das Schiff „Deutschland“ am Hamburger Hafen und kam zehn Tage später in New York an.
Dieses Bild sendete er nach Haus. Auf der Rückseite ist folgendes notiert:
„Seegang am 27.05.1927 auf meiner Reise nach Amerika. Heinrich“

Er wollte eigentlich nur einige Zeit seine Brüder besuchen und dann nach Oberbauerschaft zurückkehren. Leider ist er 1931 tödlich verunglückt.

„Nachdem Tod seiner Ehefrau Käthe im Jahre 1970 kam Onkel Fred öfters zu Besuch nach Oberbauerschaft“ berichtet Neffe Wilfried Schnelle. „Einmal fragte er, ob wir nicht mal nach Bavaria fahren können. Da sind wir ein paar Tage später einfach losgefahren und waren einige Tage in Berchtesgaden. Dort hatte er sich eine bayrische Tracht gekauft und Hüte mit Anstecker.“ Weiter berichtet er, dass im Haus dann immer viel los war, wenn Fred sechs Wochen in Oberbauerschaft weilte. Struckmeiers Heinrich, ein ehemaliger Schulfreund, kam jeden zweiten Tag. Auch fuhr er öfters mit Waldbauer Friedhelm Büker mit der Haflinger-Kutsche aus. Im Jahre 2000 starteten Wilfried und Renate Schnelle einen Gegenbesuch und besuchten Cousin Henry (Sohn von Carl) in Beloit und Sheboygan im Staate Wisconsin.

Vielen Dank an:

Doris Meyer aus Getmold für die Auskünfte zur Auswanderung Meyer/Tiemann.

Herbert Steinkamp, der die erhaltenen Auswanderer-Briefe aus seiner Familie zur Verfügung gestellt hat.

Linda Piotrowski und Wilfried und Renate Schnelle für Auskünfte über ihre drei Onkeln aus der Familie Schrewe.

 

Eure Chronikgruppe Christine Honermeyer und Dirk Oermann

 

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