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Schätze aus der Chronikgruppe: Gang über den Friedhof Niedringhausen – Teil 1

Am Eingangstor des Niedringhauser Friedhofes steht – leicht verwittert – die Jahreszahl 1956. Historisch kein besonderes Datum, dennoch gibt es in diesem Zusammenhang einige interessante Informationen.

Der Friedhof wurde im Rahmen der ersten Beisetzung am 23. August 1956 seiner Bestimmung übergeben; im Archiv der Chronikgruppe befindet sich auch eine Abschrift der damaligen Ansprache des Gemeindebürgermeisters Wilhelm Eimertenbrink. In seinen Worten ging er darauf ein, dass ein jahrzehntelanger Wunsch der Niedringhauser Familien erfüllt wurde, zum einen durch den Wegfall der weiten Wege zum Beendorfer, teilweise auch Lübbecker Friedhofes, zum anderen aber durch die rege Bautätigkeit im Norden von Niedringhausen. So wurde bereits im Umlegungsverfahren (seinerzeit Verkopplung genannt) am Ellerkamp eine Fläche von „2 Morgen“ (damals übliches Flächenmaß: 1 preußischer Morgen = ca. 2.550 m²) als Gottesacker ausgewiesen. Die weitere Ausgestaltung und Vollendung der baulichen Anlagen dauerte bekanntlich bis 1974 (Glockenturm) bzw. 1987 (Friedhofskapelle). Hierzu informieren wir in einem späteren Bericht.

Ein Blick in die Historie: Bis Mitte des 19. Jahrhunderts fanden die Beerdigungen in Lübbecke an der Andreaskirche statt. Erst 1839 bekam Oberbauerschaft einen Gemeindefriedhof, den heutigen Friedhof in Beendorf. Ein Teil der Niedringhauser Familien behielt Erbbegräbnisse auf dem ebenfalls 1839 neu angelegten Lübbecker Friedhof an der Tilkenbreite – und zwar in einem noch heute bestehenden „Oberbauerschafter Teil“. Die Wege zum Friedhof und zur Kirche nach Lübbecke führten damals über die heute noch umgangssprachlichen genannten „Kirchwege“ – bei Wind und Wetter. Somit war 1839 zumindest für den westlichen Gemeindeteil ein ortsnaher Friedhof errichtet worden.

Erste Überlegungen, auch in Niedringhausen einen eigenen Friedhof anzulegen, gab es 1906. Diese wurden lt. den Protokollen der Gemeinde Oberbauerschaft zu den Akten gelegt. Rd. weitere 20 Jahre später war es wieder ein Thema: auch 1929 entschied man sich gegen die Anlegung eines Friedhofes – dieses hatte zur Folge, dass man 1931 den Beendorfer Friedhof erweiterte und die Wege von Niedringhausen nach Beendorf ausbaute. Zur besseren Erreichbarkeit legte man im südlichen Bereich eine neue Straße an – die heutige „Neue Straße“.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde – wenn man in die politischen Protokolle schaut – die Anlegung nach wie vor kontrovers diskutiert. Letztlich erfolgte dann die Planung und Umsetzung bis zur Übergabe im Jahre 1956 – so waren 50 Jahre von den ersten Anträgen bis zur ersten Beisetzung vergangen.

Bei der Umsetzung wurden Pläne von Karl Hoffmann, ehemaliger Leiters des Bielefelder Sennefriedhofes, berücksichtigt. Karl Hoffmann wurde 1883 in Oberbauerschaft geboren und hat seine Ausbildung zum Gartenbaumeister in der Schweiz gemacht. Er starb 1955 und konnte somit die Fertigstellung nicht mehr erleben. Der Aufteilungsplan des Friedhofes und die Halbkreisform des Hauptweges ist auf den Charakter des Sennefriedhofes zurück zu führen.

Auf dem Bild Karl Hoffmann mit seiner Frau Grete und den beiden Söhnen.

In den inzwischen über 60 Jahren hat sich die Beerdigungskultur insgesamt verändert; unterschiedliche Bestattungsformen und Aufgabe der klassischen Familiengrabstätten werden künftig zu einem veränderten Friedhofsbild führen.

 

Eure Chronikgruppe:

Christine Honermeyer und Dirk Oermann

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