Schätze aus der Chronikgruppe: Gang über den Friedhof Teil 1 (Beendorf)

Bei einem Spaziergang auf dem Friedhof fiel mir der alte Grabstein von Familie Westenfeld auf.

Er steht in der Nähe des Einganges am linken Gang. Auf der Kopfseite steht folgendes mit verschnörkelten Lettern geschrieben: “ Erbbegräbnis der Familie Colon Westenfeld No. 12 Oberbauerschaft“.

Colon oder auch Kolon war ab dem Mittelalter die allgemeine Bezeichnung für einen bäuerlichen Ansiedler, Pächter oder dergleichen, später für den Besitzer einer Hofstätte. Der Begriff war bis in das 20. Jahrhundert hinein gebräuchlich. Die Besitzung Nr. 12 befand sich ganz in der Nähe des Friedhofes an der heutigen Straße „Im Mühlental“. Der Grabstein scheint aus dem Jahre 1876 zu stammen. In dem Jahr war der erste verzeichnete Sterbefall eingetreten.

Wenn man alle Seiten des Grabsteins betrachtet wird im Grunde die ganze Familiengeschichte erzählt. Heinrich Friedrich August Westenfeld und Dorothea Luise Charlotte Wiehe aus Blasheim haben am 21. Oktober 1864 in der St. Andreas Kirche zu Lübbecke geheiratet. Ihr Sohn Carl Friedrich Wilhelm wurde 1869 geboren und starb bereits 1876 im Alter von 6 Jahren. Hierzu steht u. a. geschrieben: …viel geliebtes einziges Kind….wie so bittere tiefe Schmerzen… Sagt uns also, dass das einzige Kind gestorben ist. Acht Jahre später bekamen die beiden noch eine Tochter namens Anne Marie Luise Charlotte. 1895 starb Dorothea Luise Charlotte Westenfeld im Alter von 51 Jahren an einem Lungenleiden. Ihr Sterbefall wird auf der Rückseite angezeigt. Ein Jahr später am 17. Juli 1896 ereignete sich ein weitere Schicksalsschlag in der Familie. Dazu heißt es im Standesamtsbuch des Amtes Hüllhorst:

„Hüllhorst am 22. Juli 1896: Aufgrund der Mitteilung der Polizeiverwaltung zu Hüllhorst vom heutigen Tage wird eingetragen, daß der Gemeindevorsteher und Colon August Friedrich Heinrich Westenfeld, 56 Jahre alt, evangelischer Religion, wohnhaft zu Oberbauerschaft Nr. 12, in seiner Wohnung daselbst am siebenzehnten Juli des Jahres tausend acht hundert neunzig und sechs nachmittags zwischen vier und fünf Uhr durch Blitzschlag getötet ist.“

Als das Gewitter vermeintlich vorbei war – so wurde überliefert- trat Westenfeld an die Tür seines Bauernhauses. Er wollte nach dem schweren Gewitter nach dem Rechten sehen. Da wurde er vom Blitz getroffen und war sofort Tod.  Der Hof brannte ab. Seine zwölfjährige Tochter war nun Waise und wurde vom Onkel dem Gastwirt Carl Westenfeld aufgenommen. Der Hof wurde nicht wieder aufgebaut. Nur ein Kotten der zum Hof gehörte und eine Scheune die zu einem Wohnhaus umgebaut wurde existieren noch heute.

Dieses Unglück ist auch noch mit folgendem Spruch auf dem Grabstein festgehalten:

„Ein einziger Schlag kann alles enden, und Fall und Tod beisammen sein. Doch schlage nur mit Vaterhänden und schließ in Christi Tod mich ein, daß wenn der Leib zu Boden fällt, die Seele sich an Jesum hält.“

Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass am 17. Juli 1896 ein weiteres Haus in Oberbauerschaft durch Blitzschlag niederbrannte. Es war das Haus Kleine-Kröger Oberbauerschaft Nr. 79 (heute Im Eierfeld 66). Am Deelentor ist zu lesen: Erbaut 1896. Dieses Haus wurde also zeitnah wieder aufgebaut.

Eure Chronikgruppe: Christine Honermeyer und Dirk Oermann

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